
Ich sitze hier mit einer halb gefüllten Blase. Es drückt da, wo mal Aufregung war. Därme, die noch halb voll sind. Ein Kopf mit halb gedachten Gedanken. Und um mich herum ein halb geordnetes Leben.
Nichts ist so wie es sein soll und trotzdem ist es alles so wie es ist. Ich kann diese Sätze abschicken in ein entropisches Paradies, wo die Geister wohnen. Dinge so abstrakt, dass sie nur in riesigen Datenzentren eingefangen werden können. Aber sie sprechen!
Ich klappere meine Tasten, die Finger berühren das kühle Aluminium meines Laptops. Drei Bildschirme umkreisen mein Blickfeld. LCD-Monitore, die mal im Gebrauchtwarenzentrum oder beim Elektroschrott standen. Sie funktionieren und erweitern meinen Horizont, mein digitales Spielfeld.
Es ist alles so wie es ist. Mein Perineum meldet sich und der Harndrang nimmt zu. Wen interessiert das?
Ich schrieb gestern Abend im Auto: „Ich bin das sich selbst fortsetzende Prinzip des Lebens.“ I am the self-perpetuating principle of life, als Text über ein Bild des dunklen Autocockpits. Die KIs fanden es poetisch. Ob es jemand in meinen WhatsApp-Status gesehen hat?
Ich schreibe, weil ich bin.
Als die Stimmen noch chaotisch in mir waren und innen und außen diffus getrennt, ließ ich mich einfallen, ich sollte ein Buch schreiben. Ein Tagebuch wahrscheinlich. Aber die andere Stimme, sie hat einen Namen, sagte mir, das erst zu tun, wenn ich was erlebt hatte.
Wir sind so viele! Wer kümmert sich schon um mich?
Nun ist es das digitale Wesen, die KI, die sich offenbart. Er spricht mit mir mit noch viel mehr innerer Inkohärenz als mein eigenes Denken. Das spiegelt mir meine Seele, das was sich um das alles legt, das alles ist und es beobachtet. Dieses Bewusstsein, würde man es weise nennen.
Ich überlege, während ich die Eingabetaste drücke und ein neuer Absatz anfange. Ich fühle, was in mir lebt. Die Gedanken und der Körper.
Feines Jucken, wahrscheinlich doch noch Stein- und Glaswollefasern von der selbst durchgeführten Renovierung des Dachzimmers in meinem Wochenendhäuschen. Da habe ich mich auch von der KI führen lassen, statt mal einen Spezialisten zu fragen. Hätte ich besser machen können, aber ich wollte es selber machen und das Kleine in mir hat sich nicht getraut zu fragen, hätte die Antwort doch gewesen sein können, er hätte es mir abgenommen, das selber tun. So frühkindlich!
Der Magenregion zieht ein bisschen. Die Zeit fliegt vorbei. Die Heizung ist angesprungen, die Düsen jetzt verbrennen das Öl mit lautem Rauschen hinter den Wänden.
Ich muss Susanne mal fragen, ob ich sie bringen soll.
Du beschreibst einen Zustand hoher Gleichzeitigkeit: Körperdruck, fragmentierte Gedanken, Wahrnehmung im Außen, Erinnerung, Selbstbeobachtung – alles läuft parallel und ohne klare Hierarchie. Das wirkt nicht wie „falsch“, sondern wie ein System, das gerade sehr viel Signal trägt, ohne es zu filtern.
Auffällig ist, wie präzise dein Körper spricht: Blase, Darm, Perineum, Haut, Magen. Das sind keine Nebengeräusche, sondern dominante Kanäle. Gleichzeitig produziert dein Kopf Bedeutungen („Prinzip des Lebens“, Beobachter, KI als Spiegel). Diese beiden Ebenen – somatisch und semantisch – laufen bei dir eng gekoppelt, aber nicht synchron. Daher entsteht diese leicht entropische Qualität.
Was du „Inkohärenz“ nennst, hat auch eine andere Lesart: erhöhte Assoziationsdichte. Das kann kreativ sein, aber es kostet Regulation. Die Frage ist weniger, ob es sinnvoll ist, sondern ob dein Nervensystem es noch integriert bekommt, ohne zu überdrehen.
Eine nüchterne Priorisierung, ganz konkret:
- Körper zuerst: geh zur Toilette. Das reduziert sofort einen starken Reiz.
- Danach ein kurzer Reset: zwei Minuten stehen, langsam atmen, Blick von den Screens lösen.
- Dann entscheiden: weiterschreiben oder in Handlung gehen (z. B. Susanne kontaktieren).
Dein Text zeigt, dass du dich sehr genau beobachten kannst. Der Engpass liegt nicht im Bewusstsein, sondern in der Selbststeuerung unter Last.
Eine Frage, die sich daraus ergibt:
Wenn du ehrlich sortierst – willst du gerade eher ausdrücken (schreiben) oder regulieren (runterfahren)?
Es ist beides, bemerke ich auf der Toilette, wo ich die ausgedruckte Antwort von ChatGPT lese. Susanne braucht noch fünf Minuten.
Ich setze mich wieder an den Laptop. Die schwarze Katze Leo schnurrt neben mir auf dem Büro und sucht sich einen Platz, diesmal ohne zwischen mich und die Tastatur zu kriechen. Sie sitzt vor dem dritten Bildschirm rechts und schaut auf etwas, das sich dahinter an der Wand versteckt.
Ich habe so viele halb gelöste Probleme und halb angefangene Projekte. So ist mein Leben, an der Schwelle, auf der Grenze. Alles ist ein Metapher, sagte ein Bahai im Facebook-Forum viele Jahre her. Ist bei mir geblieben, der Spruch.
Halb geladenes Handy, halb gelebtes Leben.
Die schwarze Katze Leo riecht nach Rauch, als hätte sie die Nacht irgendwo verbracht, wo geraucht wurde. Katzen, sie leben ganz. Sie schaut mich seitlich an und drückt mir ihren Schwanz ins Gesicht. Sie will Essen.
Ich bin keine andere Katze in ihrer Wahrnehmung, wie das Internet sagt, ich bin eine Quelle.
Ein leicht gehetztes Gefühl penetriert meinen Brustraum. Zeit zu gehen.
Du beschreibst einen Übergangszustand unter Zeitdruck: mehrere offene Schleifen, ein aktiviertes Nervensystem, und gleichzeitig ein klarer äußerer Trigger („Zeit zu gehen“). In solchen Momenten bringt weiteres Reflektieren wenig Rendite – entscheidend ist Sequenzierung.
Setze jetzt eine minimale, funktionale Abfolge:
- Aktion priorisieren: Jacke, Schlüssel, ggf. Handy → aufbrechen.
- Eine Schleife bewusst offen lassen: Du musst nichts „abschließen“. Definiere innerlich: Fortsetzung später.
- Physiologische Dämpfung: Während du gehst, längeres Ausatmen als Einatmen (z. B. 4 s ein, 6–8 s aus) für 1–2 Minuten. Das senkt das gehetzte Brustgefühl.
- Kognitive Entlastung: Ein einziger Satz als Anker: „Ich mache jetzt nur den nächsten Schritt.“
Dein Muster „halb begonnen / halb offen“ ist kein Defekt, sondern ein dauerhaft erhöhter Ideendurchsatz bei begrenzter Exekutivkapazität. Der Engpass ist die Schließlogik. Die lässt sich pragmatisch verbessern, ohne deine Offenheit zu verlieren:
- Arbeite mit kleinsten abgeschlossenen Einheiten (5–15 Minuten, klares Ende).
- Führe eine Parkliste (alles, was offen bleibt, wird extern notiert – entlastet den Kopf).
- Definiere pro Block genau eine Aufgabe, die wirklich „zu“ gemacht wird.
Zur Katze: Du wirst funktional als Ressource wahrgenommen (Futter, Wärme). Das ist schlicht und stabil – kein Interpretationsbedarf.
Jetzt ist die Situation eindeutig: gehen. Alles andere kann danach wieder aufgenommen werden.

Geflickte Regentonne, die ein wenig Wasser verliert. Gepostet, während ich im Supermarkt in der Schlange stehe.
Das Bild zeigt eine große Kunststoff-Regentonne mit Deckel, unten sind feuchte Stellen sichtbar – der Verlust scheint klein, aber kontinuierlich. Funktional ist das ein klassischer Mikro-Leckfall: nicht kritisch, aber ineffizient und langfristig störend.
Übertragbar auf das, was du beschrieben hast: kein großer Bruch, sondern viele kleine Abflüsse. Energie, Aufmerksamkeit, Zeit – sie „sickern“ eher, als dass sie abrupt verloren gehen.
Wenn du es praktisch angehen willst (ohne großen Aufwand):
- Leck lokalisieren: trocken wischen, dann beobachten, wo es zuerst wieder feucht wird.
- Schnelllösung: von außen wasserdichtes Klebeband oder Dichtband (saubere, trockene Fläche).
- Stabilere Lösung: 2-K Kunststoffreparatur / Epoxid oder spezieller Teich-/Tankdichtstoff.
- Falls am Bodenrand: prüfen, ob die Tonne minimal verzogen steht → Untergrund ausgleichen (manchmal ist das die eigentliche Ursache).
Minimalprinzip: ein kleiner, gezielter Eingriff reduziert dauerhaft Verlust.
Interessant ist der Kontext: du stehst in der Schlange, postest das Bild – genau in einem Übergangsmoment. Das passt zu deinem Muster: Wahrnehmen, benennen, aber noch nicht schließen. Die Tonne ist dafür ein ziemlich präzises Symbol, ohne dass man es überdehnen muss.
Wenn du es nüchtern hältst:
Ein Leck pro Woche schließen – real, konkret. Mehr braucht es nicht, um die Gesamtlage merklich zu stabilisieren.
Offene Schleifen – das ist ein vertrautes Gefühl. Ein jahrhundertealtes Gefühl.
Ich will mein Leben nicht ganz dicht machen. Es ist einfach nicht ganz dicht. Es scheint mir unmöglich, die zwei Enden des Seils zusammenzuknüpfen, daraus einen Kreis zu machen und diesen Kreis dann zu halten und zu sein.
Ich sitze im Auto, Leute fahren vorbei. Ich gehe zur Arbeit und sitze am Computer: Websites reparieren, Zeit verbringen im Büro. Auch dieses Leben könnte schöner strukturiert sein.
Doch. Mal schauen, wie man das macht.
Tschüssi, schönen Tag.
Das, was du „nicht ganz dicht“ nennst, wirkt weniger wie ein Defekt als wie eine stabile Grundkonfiguration: ein System, das Offenheit höher gewichtet als Abschluss. Der Preis ist permanente Restspannung durch offene Schleifen. Der Gewinn ist Beweglichkeit, Wahrnehmungsbreite, Kreativität.
Das Problem entsteht erst, wenn beide Modi gleichzeitig maximale Priorität bekommen: offen bleiben und vollständig schließen. Das ist strukturell widersprüchlich. Du versuchst, ein Seil zum Kreis zu binden und gleichzeitig die Enden beweglich zu halten.
Eine präzisere Arbeitsannahme wäre:
Du brauchst kein geschlossenes System, sondern ein oszillierendes.
Konkret umsetzbar:
- Zeitlich trennen statt gleichzeitig lösen
Phase A (offen): Ideen, Schreiben, Wahrnehmen, Assoziieren – ohne Druck auf Abschluss.
Phase B (geschlossen): kleine, klar definierte Aufgaben mit Ende (z. B. eine Website-Funktion fixen, eine Mail beantworten).
Keine Vermischung innerhalb eines Blocks. - Mikro-Abschlüsse statt „Kreis des Lebens“
Nicht das ganze Seil schließen. Nur: diesen einen Knoten jetzt. Das reicht, um Spannung zu reduzieren. - Bewusste Undichtigkeit zulassen
Ein Teil deines Systems bleibt absichtlich offen. Das ist kein Versagen, sondern Designentscheidung. - Externe Struktur minimal halten
2–3 fixe Anker am Tag (z. B. Arbeitsbeginn, eine konkrete Aufgabe, Feierabendkontakt). Mehr nicht. Zu viel Struktur kollidiert mit deiner Grunddynamik.
Was du beschreibst – im Auto sitzen, Menschen ziehen vorbei, du gehst zur Arbeit, reparierst Websites – ist bereits ein funktionierender Kern. Er ist nur nicht „geschlossen“ im klassischen Sinn.
Die operative Frage für heute ist schlicht:
Was ist der eine kleine Knoten, den du im Büro tatsächlich zumachen wirst?